Tarantella in Oberschweinbach

„Die Wellküren“ stellen ihr Musikkabarett-Programm „Abendlandler“ im Lustspielhaus vor. Sie mischen darin Altes mit Neuem und erlauben sich einen politischen Wutausbruch

von Oliver Hochkeppel

„Selbst auf dem Land lässt sich die Gleichberechtigung nicht aufhalten: Zwar haben die Wellküren zehn Jahre später als ihre Brüder von der Biermösl Blosn mit ihrem Volxmusik-Kabarett angefangen, dafür sind sie jetzt aber immer noch da und das größte Aushängeschild der immer noch nachwachsenden Künstler-Großfamilie Well … Wobei der Anteil neuer Geschichten diesmal ein wenig höher sein dürfte. Zum Beispiel ist aus der Zusammenarbeit mit Andreas Rebers auch etwas fürs eigene Programm abgefallen. Und eine Tarantella über das extrem angewachsene Verkehrsaufkommen im heimischen Oberschweinbach ist gerade erst fertig geworden: „Da fahren jetzt ständig lauter Hermes-, DHL- und andere Lieferdienste umeinander, weil die Leute immer mehr online bestellen und immer weniger in Geschäfte gehen“, ist der Moni aufgefallen. Also haben sie das in einem Lied verarbeitet, das auch auf die Verkarstung der Gemeinden und Innenstädte sowie ganz aktuell auf die erbärmlichen Arbeitsbedingungen der Paketfahrer eingeht. Der Mikrokosmos der eigenen Region war ja schon immer der Humus, auf dem die drei ihre Geschichten und Lieder wachsen ließen. Die echte Volksmusik, also die klassische Stubnmusi ist ihr Anker, aus dem sich alles ergibt, und dabei wiederum ist es der Gesang, von dem alles andere ausgeht. „Wir sind ja keine Musikerinnen, sondern nur Musikantinnen“, sagt Moni. Allzu bescheiden freilich, wenn man sieht und hört, was sie alles am Saxofon und Hackbrett, an der Diatonischen, der Posaune, Tuba und Harfe sowie den von ihnen eingeführten Nonnentrompeten anstellen. Zum Beispiel mit Mozarts A-Dur Klaviersonate oder bei ihrer Nina-Simone-Hommage „Mei Oida, der schaut auf mi“.

Freilich, wie schon der Programmtitel andeutet, ist das Programm auch ein wenig politischer geworden. „Du kommst ja heute gar nicht mehr dran vorbei, du ärgerst dich halt wahnsinnig über das, was zum Beispiel der Söder gerade macht“, sagt Moni, die dementsprechend einen lautstarken Wutausbruch im Programm zugestanden bekommen, in dem sich von Dobrindt bis Alice Weidel alle die einiges anhören müssen, die so gerne „Heimatland“ und „Leitkultur“ für sich reklamieren. „Das Feld wollen wir denen keinesfalls überlassen“, betont die Moni. In den Wortbeiträgen sind die drei notgedrungen flexibler geworden – „es ist ja alles so schnell wieder vorbei „. Dafür sind die Lieder meist zeitlos. Eben „Abendlandler“ für gute Laune in schwierigen Zeiten.

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