Simsalabimbambasaladusaladim

Nach(t)kritik Theaterforum Gauting

23.02.2018 – Nachtkritik von Sabine Zaplin

„Ganz vorn an der Front, da, wo man sie kennt und wo sie sich wohlfühlen: die Wellküren, Heldinnen der Stubnmusi-Protestbewegung seit Wackersdorf und weit früheren Ärgernissen, die sie ganz einfach über den Haufen gesungen und gespielt haben. Zieht euch warm an, ihr Leitkulturdeppen, ihr Mauerbauer und Mautmaulhelden. Jetzt kommen Moni, Bärbi und Burgi. Wenn sie erst die Nonnentrompeten in Anschlag bringen, dann betet, dass ihr noch laufen könnt.“

All´s well that ends well, heißt eine Komödie von William Shakespeare. Und der muss es ja wissen. Schließlich hat er einem Urahnen der Geschwister Well quasi per Überlassungssünde zu musikalischen Ehren verholfen, indem er seinen Macbeth ermordete und damit einen Platz in der Highlanderband „Earlgreythemumblecores and the oldiegoodyman of Shamrock“ freimachte für MacWell – oder so ähnlich. Well, schon damals also strömte das Schrammln und Stanzln und Dudlsackln mitten hinein ins Blut dieses ruhmreichen Geschlechts, das über Umwege durch Südtirol und das Voralpenland schließlich in den unendlichen Weiten der Brucker Niederungen irgendwo jenseits des Jexhofes seitdem sein musikalisches (Un-)wesen treibt, in vielfacher Form, mal männlich, mal weiblich, mal völlig gemischt. Und so geschah es, dass an diesem Abend, der den Sieg der deutschen Eishockeymannschaft über Kanada so wunderbar vereint mit faustischem Treiben in München und Fastenorgien auf dem Mount Nockher, das bosco-Publikum Zeuge wurde vom Entstehen einer neuen Protestbewegung: STUGIDA – Stubenmusik gegen die Idiotisierung des Abendlandes. Ganz vorn an der Front, da, wo man sie kennt und wo sie sich wohlfühlen: die Wellküren, Heldinnen der Stubnmusi-Protestbewegung seit Wackersdorf und weit früheren Ärgernissen, die sie ganz einfach über den Haufen gesungen und gespielt haben. Zieht euch warm an, ihr Leitkulturdeppen, ihr Mauerbauer und Mautmaulhelden. Jetzt kommen Moni, Bärbi und Burgi. Wenn sie erst die Nonnentrompeten in Anschlag bringen, dann betet, dass ihr noch laufen könnt. #Metoo? Haben sie längst im Griff, lassen nix und niemand an die Brust, „zweng am Sepp seiner unbändigen Lust“. Raffgier bei Managern? Eitelkeit und Machtbesessenheit in der politischen Elite? Scheitern schon bei den ersten Klängen von Hackbrett und Harfe. Abendlandler statt AfD.

Und der ist sowieso viel schöner, viel klangvoller und inhaltsreicher ohnehin. Die Wellküren verwöhnen das Gautinger Publikum mit ihrem neuen Programm „Abendlandler“ sowohl musikalisch wie inhaltlich. Der großartige „Morgenlandler“ dürfte noch Stunden weitergehen. Und das ebenso freche wie virtuose „Simsalabimbambasaladusaladim“ in der letzten Strophe vom Kuckuck auf dem Baume ist ein einziger Ohrenschmaus. Mal klassisch wie die erste Variation der Mozartsonate (die ursprünglich in A-Dur steht und anno dazumal der Well-Mama vom Amadeus eigenhändig in Salzburg überreicht wurde und dann später transponiert werden musste, weil der Mozart ja nicht wissen konnte, dass die Mama nicht Klavier, sondern Hackbrett spielt), mal bluesig wie in der Well-Variante von Nina Simones „My baby just cares for me“ – die drei Damen spielen einfach nach wie vor erstklassig alles in Grund und Boden und wieder hinauf bis zum Himmel. Posischn? Yes! Onetwothree – Rottscha. Well, that´s really cool!

Sabine Zaplin, 23.02.2018

 

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