Lieblingsfeind Söder

Abendzeitung München vom 13.06.2018

Das neue Programm der Wellküren mit dem Titel Abendlandler arbeitet sich im Lustspielhaus am Ministerpräsidenten Söder ab

„Posischn! ruft Bärbi, „Wan, tuh, srih! zählt Burgi vor und Moni bestätigt „Rotscher!“ Die Globalisierung macht auch vor der kreativen Stubnmusi-Werkstatt im Brucker Land nicht halt. Dabei sind „Die Wellküren“ seit 32 Jahren in dieser Welt und vor allem in ihrer Gegenwart schon immer angekommen gewesen. Oberschweinbach ist der Ort ihrer Herkunft und damit Heimat, in der die Wurzeln ihrer Musikalität liegen. damit sind sie einem Ministerpräsidenten, der glaubt, Heimat in einem Ministerium verwalten zu können, weit überlegen.

Nicht zuletzt deshalb gehört Markus Söder zu den Lieblingsfeinden der Wellküren. Er ist im neuen Programm, das die Well-Schwestern an zwei Abenden im Lustspielhaus präsentierten, in guter Gesellschaft. Die Rolle des Bösewichts teilt er sich mit Donald Trump. Die Scherzfrage ist ernst gemeint: „Was grenzt an Dummheit? Kanada und Mexiko“. Natürlich ist die musikalische Revue das Herz von „Abendlandler“, aber, wie es der Titel bereits nahelegt, regt sich Unmut über den Umgang mit dem, was sich „christliches Abendland“ nennt.

Moni ist unter den dreien die mit dem losesten Mundwerk. Das hängt vermutlich damit zusammen, dass sie das jüngste von insgesamt 15 Kindern im Hause Well ist und es daher besonders schwer hatte, „sich in diesem ganzen Verhau zu entfalten“. In der aktuellen Show überrascht sie mit einem rhetorischen Amoklauf. Der Landesvater bekommt wegen „Scheißen auf die christlichen Werte“ wieder besonders klatschende Watschn ab.

Das ist zwar keine differenzierende Analyse, aber herzerfrischend eruptiv. Für die raffinierten Töne haben die Wellküren ohnehin ihre Musik. Mit Harfe, Hackbrett, Akkordeon und Gitarre, Saxophon und Tuba sowie der schrägen Nonnentrompete erzeugen einen immer wieder neu überraschenden Oberbayern-Sound.

Dann entfalten das Nina-Simone-Cover „Mei Oida, der schaut auf mi“ persönlich nach vielen männerfeindlichen Sprüchen, Mozarts A-Dur-Sonate, die aus technischen Gründen in G-Dur gespielt wird oder ein „Stubn-Musical“ über Seehofer und Söder beim Duell aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ einen ganz besonderen Zauber aus heimischem Anbau.

Matthias Hejny

Abendzeitung v. 13.6.2018 Wellküren Kritik

Abendzeitung v. 13.6.2018 Wellküren Kritik

 

 

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